Besuch in der Salze-Klinik
Spagat zwischen Kostendruck und Qualität – ein fast normaler Tag in der Salze Klinik
Löhne, 15.08.2011
Redaktion: KEV/Lielje Gruppe, Kristin Schwagmeier, Lange Straße 13, 32584 Löhne,
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Die Sonne blinzelt ein wenig zwischen den Wolken in den neu umgebauten, hellen Wintergarten, Patientinnen unterhalten sich angeregt im Eingangsbereich und an der Rezeption herrscht reges Treiben, als Bernhard Brinkmann (MdB) am Montagmorgen einen „Praktikumstag“ in der Salze Klinik beginnt, um den Alltag einer modernen Rehabilitationsklinik für Orthopädie und Psychosomatik kennenzulernen.
Nach der Begrüßung durch Sebastian Bergholz, dem Kaufmännischen Direktor der Salze Klinik, stellt Dr. med. Heinz Riechers, Chefarzt der Orthopädie, die Wege der modernen orthopädischen Rehabilitation vor. Was früher unter dem Motto „morgens Fango, abends Tango“ stand, umfasst heute ein breites Spektrum medizinischer, Berufs fördernder und sozialer Maßnahmen, die zur Wiedereingliederung kranker und behinderter Menschen beitragen. In den meist ca. dreiwöchigen Rehabilitationsaufenthalten werden mit jedem Patienten konkrete, individuelle und erreichbare Ziele festgelegt, anhand derer der Rehabilitationserfolg beurteilt werden kann. Der Patient soll möglichst nach dem Aufenthalt wieder alle Fähigkeiten erhalten haben, um die Aktivitäten des täglichen Lebens meistern zu können. Dr. med. Riechers erwähnt in diesem Zusammenhang die Probleme, die durch kürzere Verweildauern in den Akutkrankenhäusern entstehen – „die Patienten werden nach Operationen noch mit „liegenden Fäden“ eingeliefert, so dass die intensive Rehabilitationstherapie oft leider nicht sofort erfolgen kann.“ Neben „aktiven Therapien“ wie Krankengymnastik, Bewegungstherapie oder dem medizinischen Gerätetraining im klinikeigenen „Salze Vita“, unterstützen „passive Therapien“ wie z. B. Massagen, Wärme- und Elektrotherapien den Behandlungserfolg. Medikamentöse Therapien zur Schmerzlinderung und Entspannung können ebenfalls eingesetzt werden. Um einen dauerhaften Rehabilitationserfolg zu erreichen, erhalten die Patienten für die Zeit nach der Rehabilitation Schulungen wie z. B. Rückenschulungen, Alltagstraining und Arbeitsplatzberatungen. Ca. 12% der Patienten kommen zur ambulanten Rehabilitation in die Salze Klinik, sie nehmen die Therapien in der Zeit von 9 Uhr bis ca. 16 Uhr wahr und schlafen zu Haus. Dr. Riechers stellt als Fazit fest, dass sich einerseits durch eine konservative Behandlung im Rahmen einer stationären oder ambulanten Rehabilitation Operationen z. B. bei Rückenschmerzen oft vermeiden ließen. Andererseits bei notwendigen Operationen durch eine anschließenden Rehabilitation der Erfolg verbessert und stabilisiert werden kann. „Um die Rehabilitationsziele erreichen zu können, muss jedoch der Zeitraum von mindestens drei Wochen Rehabilitationsaufenthalt gewährleistet bleiben“, ergänzt Dr. med. Riechers.
Herr Brinkmann spricht in diesem Zusammenhang die Auswahl einer Rehabilitationsklinik an, „komme ich denn auch wirklich zu Ihnen in die Salze Klinik, Dr. Riechers, wenn ich den Wunsch äußere?“ Daraufhin erläutert Dr. med. Riechers das sog. Wunsch- und Wahlrecht des Patienten, welches sehr wohl existiert und bei vorliegenden vertraglichen Vereinbarungen zwischen Klinik und Kostenträger kein Problem darstellen dürfte, wenn der Patient seine Klinikauswahl bei seiner Krankenkasse konkret anspricht.
Dr. med. Hans-Jürgen Hentschel leitet seit Anfang 2011 die neue Abteilung Psychosomatik in der Salze Klinik. Neben orthopädischen Problemen sind psychosomatische Erkrankungen wie körperliche und emotionale Erschöpfungszustände, Ängste, Depressionen oder Überlastungsstörungen die häufigsten Beschwerden in der Bevölkerung und damit gleichzeitig die häufigsten Begründungen für Frühverrentungen. “In den letzten 10 Jahren ist der Antidepressivaverbrauch um 150% angestiegen und verursacht damit Kosten von über 1 Mrd. EUR pro Jahr, wobei die Wirkung nach wenigen Monaten Einnahme stark nachlässt“ laut Dr. med. Hentschel. „Der gesamte Aufwand für psychosomatische Rehabilitationsdienstleistungen beträgt im Vergleich dazu ca. 700 Mio. EUR pro Jahr.“ Dr. med. Hentschel nennt die gestiegenen Belastungen im Arbeits- und Alltagsleben und die im Vergleich dazu weniger entwickelten Strategien zur Bewältigung dieser Belastungen als Ursachen für die Zunahme der psychosomatischen Erkrankungen. In der Salze Klinik lernen die Patienten, „wie ich als Mensch besonders bin, wie ich in bestimmten Situationen besonders reagiere und welche Fähigkeiten ich entwickeln muss, um die gestiegenen Belastungen bewältigen zu können, ohne dass es mir schlecht geht.“ Der ca. fünfwöchige Aufenthalt gliedert sich in drei Therapiephasen. Nach der sog. OPD Psycho-Diagnostik werden neue emotionale Fähigkeiten zur Belastungsbewältigung erarbeitet, anschließend werden die individuellen Probleme im Alltagsleben geklärt und bewusst gemacht und in der letzten Therapiephase werden neue Lösungsansätze erarbeitet. „Die Patienten haben hier bei uns einen Therapietag, der wie ein ganzer Arbeitstag konzipiert ist, denn erfolgreiche Therapie ist wie gut konzipierte zufriedenstellende Arbeit“ erläutert Dr. med. Hentschel.
Herr Brinkmann erkundigte sich, wie die ersten Monate der neuen Abteilung Psychosomatik verliefen. Dr. med. Hentschel berichtet von dem neuen erfolgreichen Behandlungskonzept, dass gute Behandlungserfolge und viel Patientenzufriedenheit bringt und dass die Betten der Abteilung voll belegt seien – der Start der Psychosomatik ist somit ein voller Erfolg.
Nach einem ausführlichen Klinikrundgang auch durch die umgebauten neuen Patientenstationen werden in abschließender Runde die allgemeinen Probleme der „knappen Kassen“ diskutiert. Die Klinikleitung stellt abschließend fest, dass gesamtwirtschaftlich gesehen, durch die Rehabilitation und die damit verbundene Wiedererlangung bzw. Verlängerung der Erwerbstätigkeit ein sinnvoller Beitrag geleistet wird, der in Europa einzigartig ist.
Herr Brinkmann bedankt sich für den informativen Tag und verband die Hoffnung für die Salze Klinik, dass sich trotz aller besprochenen Probleme die Qualität der medizinischen Leistung, die er hier erleben konnte, am Ende durchsetzen wird, nicht zuletzt durch die Stimme des mündigen Patienten.
Ein fast normaler Tag in der Salze Klinik neigt sich dem Ende.

Quelle: Archiv Lielje Gruppe
li: Sebastian Bergholz, kaufm. Direktor, Bernhard Brinkmann





























